Apotheken Umschau: Darum hilf dir selbst

Aus: Apotheken Umschau (2012)


Wie sich Patienten in der Selbsthilfe gegenseitig helfen und ihre Interessen vertreten - auch gegen Akteure und finanzielle Interessen im Hintergrund



Woher sie die Energie für ihr Engagement nimmt, über diese Frage kann Hannelore Loskill

nur schmunzeln. Gerade kommt sie aus Berlin von einem Treffen der Bundesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe, deren stellvertretende Vorsitzende sie ist. Die Rentnerin wandert zwischen den beiden Polen hin und her, welche die Selbsthilfearbeit in Deutschland bestimmen. Auf der einen Seite ist da ihr Engagement auf Verbandsebene. Auf der anderen Seite, zurück in Düsseldorf, steht die „Kernarbeit an der Basis“ an.


Aufgrund einer Netzhautablösung ist Hannelore Loskill stark sehbehindert. In Düsseldorf engagiert sie sich seit 1992 in einer Selbsthilfegruppe. Alles ehrenamtlich. „Nicht allein dazustehen kann viel Kraft geben, wenn man sich mit einer beunruhigenden Diagnose

neu im Leben einrichten muss“, sagt sie. Die Mitglieder geben sich gegenseitig Halt und tauschen Informationen aus: Wo finde ich einen vertrauenswürdigen Arzt? Kann man den Medienberichten über bahnbrechende neue Behandlungsmethoden wirklich glauben?


Die Gruppen sind weit mehr als ein Kaffeekränzchen für Kranke. Das Meinungsforschungsinstitut Forsa hat festgestellt, dass 56 Prozent der Deutschen meinen, Selbsthilfegruppen seien „manchmal wichtiger als Ärzte“. Seit ihrem Beginn in den 1950er-Jahren bildet die Bewegung eine Gegenreaktion „von unten“ auf die überformalisierten Strukturen im Gesundheitswesen. Mehr als drei Millionen Menschen sind in Deutschland heute in rund 100 000 Gruppen aktiv. Hannelore Loskill sitzt als Vertreterin chronisch kranker und behinderter Menschen im Gemeinsamen Bundesausschuss. Dort setzen sich die gesetzlichen Krankenkassen und Ärzteverbände mit Patientenvertretern auf Augenhöhe auseinander, um die Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung auszuhandeln.


„Der Status, den sich die Selbsthilfe erarbeitet hat, ist weltweit einmalig“, sagt Dr. Christopher Kofahl, der am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf zum Thema Patientenorientierung

forscht. Die Selbsthilfe werde aber, gemessen an ihrer gesundheitspolitischen Bedeutung, von der öffentlichen Hand finanziell nicht ausreichend unterstützt. „Ihr größtes Kapital ist ihre Glaubwürdigkeit, und die hat in den vergangenen Jahren gelitten.“ Zu nah stünden manche Patientenorganisationen Arznei- und Hilfsmittelherstellern, zu sehr ließen sie sich von deren finanzieller Unterstützung beeinflussen, lauten die Vorwürfe einiger Kritiker.


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